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Krishna

 
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Das Leben

 
Annie Besant



Jiddu Krishnamurti wurde im Mai 1895 in einem kleinen Dorf nördlich von Madras in Indien geboren. Seine Familie war für indische Verhältnisse keineswegs arm.

Sie gehörte der höchsten indischen Kaste an, den Brahmanen. Die damit verbundenen religiösen und sozialen Regeln wurden streng befolgt. So war das Essen rein vegetarisch und von einem brahmanischen Koch zubereitet, und das Kastensystem wurde, wie damals üblich, streng eingehalten.

Ein Astrologe sagte dem kleinen Jiddu eine grosse Zukunft voraus, doch zunächst sah es nicht so aus, als ob sich diese Prophezeiung erfüllen sollte. Der frühe Tod seiner Mutter, immer wiederkehrende Malaria-Anfälle und durch die Arbeit des Vaters bedingte Ortswechsel machten es dem kleinen Jiddu schwer, ein guter Schüler zu sein. Aber er war ein grosszügiges und mitfühlendes Kind.

Trotz der strengen Religiösität war Jiddhus Vater ein Mitglied der Theosophischen Gesellschaft, und als er mit nur 52 Jahren in den Ruhestand ging, bot er Annie Besant - einem führenden Mitglied der Theosophen - an, als Gegenleistung für Unterkunft und Essen für die Gesellschaft zu arbeiten.

Ein Haupziel dieser Gesellschaft war es, die Menschheit vorzubereiten auf einen Welt-Lehrer, eine Art Messias.

Dass der 13-jährige Krishnamurti als der Auserwählte entdeckt wurde, ist seltsam. Er war schüchtern, nicht besonders attraktiv und sprach kein Englisch, so dass seine "Entdecker", Mrs Besant und Mr Leadbeater, nicht mit ihm kommunizieren konnten.

Jiddhu wurde nun in jeder Hinsicht gefördert. Nach seinem Studium in England widmete er sich ganz der Meditation und hielt Vorträge. Für ihn wurde der "Order of the Star" gegründet. Er bemühte sich sehr, den hohen Erwartungen zu entsprechen, nicht nur, weil er Annie Besant wie eine Ersatzmutter liebte und respektierte. Aber je mehr er lernte und meditierte, desto sicherer wurde er, dass die letzte Wahrheit, die er verkünden sollte, ganz anders war, als die Theosophen es erwarteten.

Schliesslich sah Krishnamurti keine andere Möglichkeit:"...Die Wahrheit liegt in dir selbst. In deinem eigenen Herzen, durch deine eigene Erfahrung wirst du die Wahrheit finden, und das ist das einzig Wertvolle."

Krishnamurti hatte diese Wahrheit selbst erfahren. Aber sie passte nicht in das hirarchische Weltbild der Theosophen, und die Reaktion war eher enttäuscht und ärgerlich. 1929, nach zwei Jahren sorgfältiger Erwägung und Prüfung, löste Krishnamurti den für ihn gegründeten "Order of the Star" auf.

"Die Wahrheit ist ein Land ohne Wege, sie ist nicht zugänglich durch irgendwelche Wege, Religionen oder Sekten ... Wahrheit ist grenzenlos, unbedingt und unorganisierbar. Es sollte keine Organisation gegründet werden, um den Menschen einen bestimmten Weg zu weisen. Wenn man das erst einmal verstnden hat, dann sieht man, wie unmöglich es ist, Glauben zu organisieren. Glaube ist eine ganz persönliche Angelegenheit, und man kann und darf ihn nicht organisieren."


 
 

Die Philosophie

 
 



Religion, Philosophie, Lehre? Krishnamurti fand keine dieser Bezeichnungen befriedigend für das, was er für den Rest seines Lebens weltweit zu vermitteln versuchte. Es ging ihm darum, die Menschen zu befreien. Und das geht nicht durch Autorität, Lehre, System oder Organisation.

Vieles klingt buddhistisch, und vielleicht kommt es dem, was der Buddha vor mehr als 2600 Jahren verkündete näher, als der Buddhismus, wie wir ihn heute kennen. Weil die Wahrheit aus dem Herzen, aus der eigenen Erfahrung kommt, und weil jeder -ismus, jedes Ritual, jede Autorität und jedes Rezept die Wahrheit verschleiern.

Tiefe Liebe und Respekt für die Natur, für alles Lebende, ist etwas, das man nicht durch Worte oder Techniken vermitteln kann. Das Erkennen und Verstehen der Einheit alles Existierendem, die Befreiung von der Dualität, Ich - und der Rest der Welt, ist nichts, was man von Anderen lernen kann, bei dem einem geholfen werden kann.

"Das ist eine aussergewöhnliche Vorstellung, diese Vorstellung, Anderen zu helfen, als wenn man das Verstehen, die Schönheit, Liebe und Wahrheit hätte, die volkommene Welt der Ordnung, und den unglaublichen Sinn für die Einheit. Wenn man das hat, spricht man nicht davon, Anderen zu helfen."

"Warum wollen wir immer irgendwo dazugehören? - Zu einer Sekte, Gruppe, Religionsgemeinschaft? Ist es so, weil es uns Kraft gibt? Können wir nicht alleine stehen? Das Wort Allein bedeutet Alles Ein. Brauchen wir deswegen Ermutigung, Jemanden, der uns sagt, dies ist der richtige Weg? ... Wenn wir psychologisch von anderen Leuten abhängen, werden wir zu Menschen aus zweiter Hand, was wir sind."

Krishnamurti erwartete von seinen Zuhörern nicht, dass sie mit Zustimmung oder Ablehnung reagierten, er präsentierte keine Ideologie oder Methode, sondern er wollte gemeinsam mit seinen Zuhörern die Probleme der Menschheit erforschen. Um wirklich frei zu sein, muss man wohl zuerst seine Ketten und Fesseln erkennen. Um die Dinge zu sehen, wie sie sind, müsssen wir unsere psychologische Konditionierung erkennen.

"Wenn du aufmerksam bist, dann siehst du den ganzen Prozess deines Denkens und Handelns. Das kann aber nur geschehen, wenn du nicht beurteilst. Wenn ich etwas beurteile, dann verstehe ich es nicht, und das ist eine Möglichkeit, jedes Verstehen zu vermeiden.

"Ich glaube, die meisten von uns tun das vorsätzlich. Wir beurteilen sofort, und denken, wir haben es verstanden. Wenn wir nicht beurteilen, sondern es betrachten, uns dessen bewusst sind, dann wird uns der Inhalt, die Bedeutung des Handelns zugänglich."

Ist das nicht Vipassana, die Meditation, die uns vom Buddha überliefert ist?

"Wenn der Geist klar und still ist, frei von Konzepten und Gedanken, nur dann sehen wir das was ist, und darin ist Liebe, Schönheit und Ordnung."

"Solange es einen Erfahrenden gibt, gibt es keine Wahrheit. Wahrheit ist nicht etwas in der Erinnerung, aufbewahrt, aufgezeichnet, und dann abgerufen.

"Was angesammelt wurde, ist nicht die Wahrheit. Der Wunsch zu erfahren erschafft den Erfahrenden, der dann ansammelt und und sich erinnert.

"Begierde verursacht die Trennung des Denkenden von den Gedanken; die Begierde zu werden, zu erfahren, mehr zu sein oder weniger, sie verursacht die Trennung des Erfahrenden von der Erfahrung. Aufmerksamkeit auf die Begierde ist Selbsterkennen. Selbsterkennen ist der Anfang der Meditation."